Erste Fragen vom Cushing-Neuling.
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Mein Max

01.03.2015, 15:33

Hallo - seit einer Stunde angemeldet und habe mich ein bisschen eingelesen...
Seit drei Monaten hab ich nun einen Cushi im Stall...

Mein letztes Pferd hatte alle Anzeichen eines Cushing Pferdes - der erste Test war negativ und zu einem zweiten kam es nie, da er dann mitten im Winter einen so schweren Reheschub bekam (seinen ersten und letzten), dass ich ihn nach 4 Tagen erlösen musste. Die TA und ich haben zusammen Rotz und Wasser geheult - wir haben ihn 18 Jahre zusammen betreut und ihn so zu verlieren... war so verdammt sinnlos...

Und nun? Mein Max ist ein kapitaler Kerl von 1,57 Stockmaß, 22 Jahre alt und ein Mix aus Norweger und ??? - der Verdacht liegt nahe, dass da ein Kaltblut mitgemischt hat, da seine Beine eher Stampfer sind und sein Schädel nur ganz knapp in ein Warmbluthalfter passt (600 kg, wenn er schlank ist).
Ich habe Max gekauft, als er bereits 13 Jahre alt war und bin mit ihm - wie man so schön sagt - reingefallen. Trotz jahrzehnter langer Erfahrung habe ich mir ein psychisch völlig kaputtes Pferd gekauft, dass zudem unter schwerer Arthrose leidet und grauen Star auf beiden Augen hat.
Aber - wir sind zusammengewachsen und er ist angekommen. Er kann nicht alles leisten, aber das, was er kann, macht er mit Feuereifer.
Bis vor ein paar Monaten. Da wurde innerhalb weniger Wochen aus einem fröhlichen Pferd ein apathischer griesgrämiger Kerl, der sich sogar von seinem Lieblingskumpel abwandte. Er magerte ab (hab sonst eher Schwierigkeiten ihn bei Figur zu halten), hustete und benahm sich - Verzeit den Vergleich - wie ein Mensch mit Burn-out.
Ich hab dann ALLES testen lassen: Blutbild, Cusching, Boreliose usw.
Ergebnis - Selen zu gering und der Cusching Wert leicht erhöht (Labor muss ich raussuchen) - sonst alles Werte tuti.
Er bekam dann Selen und wir haben uns in Prascend eingeschlichen, so dass er inzwischen auf 1/2 Tablette am Tag ist.
Nachkontrolle nach 6 Wochen - allles paletti. Alle Werte im grünen Bereich und Mäxge war noch ein bisschen ruhig, aber wieder mit seinem geliebten Haffi unterwegs.
Hab ihn dann noch pieksen lassen (halte viel von Akupunktur)
Seit vier Wochen ist mein alter Max wieder da. Er spielt wieder mit den anderen und hat sie gestern sogar angestiftet. Sein Fell glänzt wieder wie Speckscharte und ich muss auf sein Gewicht wieder aufpassen und er "brummelt" wieder (macht er immer wenn er sich freut oder gelobt wird)
Derzeit bin ich vorsichtig optimistisch - mir aber natürlich bewusst, dass er zum Risikopatíenten geworden ist.
Zu Futtern bekommt er trockene Heulage (bei uns gibt es kein Heu - habe hier immer weniger Bauern), Stroh zum Knabbern, Vitamine + einen Eierbecher voll Müsli für den Geschmack. 1 Stück Brot, damit er sein Cralonin (Kreislaufmittel) nimmt und drei Wurzeln. Das Prascend spritz ich ihm ins Maul - in Wasser aufgelöst - nimmt er gut.
Und jetzt hab ich mich hier angemeldet - um mich mehr zu informieren und zu sehen, was ich meinem Max noch Gutes tun kann.
Hoffe, ich habe bislang alles richtig gemacht... meine TA kenne ich seit sehr langer Zeit und sie hat viele Cushis zu betreuen - hab das Gefühl, ich bin da in den richtigen Händen.

Re: Mein Max

01.03.2015, 15:45

Da bleibt mir nur ein Herzliches Willkommen an dieser Stelle!

Oh ja, cushing kann wirklich grausam sein und ist ein Meister im Verstecken seiner Symptome.

Freuen wir uns jetzt aber ersteinmal darüber dass der Beginn mit Prascend richtig war.

Ganz allgemein musst du wissen dass gerade Anfangs bereits gerine Wirkstoffmengen einen starken Erfolg zeigen, was dann häufig mal schneller oder mal weniger schnell nachlässt sodass die Dosis erneut angepasst werden muss.

Um das ganze noch ein wenig zu Verkomplizieren: es gibt Pferde die im Winterhalb jahr ab ca. August eine höhere dosis benötigen als im anderen Halbjahr.
das hängt mit dem Serotonin zusammen, bekannt von den Herbst/winterdepressionen.

Du hast bei ihm m.M. nach einen hervorragenden anhaltspunkt in seinem Wesen.
Bei meinem Pony merke ich die unpassende Dosis sehr schnell wenn sie weniger spricht.

Generell wäre es sinnvoll gewesen zugleich die EMS-Werte zu testen, da gerade die Insulinresistenz eines der schwerwiegenden Symptome des ECS ist.
Der Insulinresistenz muss man dann mit dem passenden "Diabetiker" Management entgegenkommen.

Heulage ist nicht unbedingt schlechter als Heu, die Qualität ist vom Ausgangsmaterial und auch nur davon abhängig. Heulöage sollte im Prinzip Heu sein welches 1-2 Tage vorm Pressen gewickelt wird.

Liebe Grüße
Eddi

Re: Mein Max

01.03.2015, 17:18

Hallo und auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum :hallo:

Als Besitzer zweier bereits dreijährig positiv getesteter Ponys (Halbgeschwister, weshalb ich immer von Zuchtambitionen abraten würde :( ) kann ich dir auch nur berichten das Prascend, vorausgesetzt in der passenden Dosis unter Therapiekontrollen, ein Wundermittel ist das den Schnuckels die Lebensqualität wieder gibt.
Die Erfahrung hast du ja nun mit deinem Pferd gemacht und es freut mich zu lesen das sowohl deine TÄ als auch du aus dem Schicksal deines verstorbenen Pferdes gelernt habt, noch sensibler für das ECS geworden seid.

Dein Beispiel ist das was von uns immer mahnend angeführt wird wenn eine adäquate Therapie mit dem Goldstandart Prascend (noch) nicht erfolgt, statt dessen Alternativen gesucht werden die nachweislich keinen ACTH Einfluss haben oder unsinniger Weise Reduktionen aus dem Dunst heraus (leider auch auf TÄ-lichen Rat, siehe MIRO vorgenommen werden die das Pferd im Prinzip unzureichend therapiert dastehen lassen was in Folge dessen nicht selten zu untherapierbaren Schüben führt.......

Da die Insulinresistenz ein sehr häufiges Symptom des ECS ist und durch seine hohe, vielleicht aber noch innerhalb der Referenz befindlichen Insulinwerte die inneren Hufstrukturen schwächt was in Folge zu meist schweren, teils untherapierbaren Hufrehen führt ist diese bei der Diagnostik immer mit zu testen. Vorzugsweise in Form des kombinierten ECS/EMS Gesamtprofils das alle Parameter enthält um ECS, IR und ECS gegeneinader abzugrenzen.
Leider kann ein Organismus Läuse UND Flöhe haben, meine Ponys haben auch alles drei Erkrankungen die aber durch passendes Management keine Probleme bereiten.
Alles Gute, möge diesmal ein glücklicheres Ende der Geschichte zu lesen sein bei euch, da bin ich aber durchaus optimistisch und warte gespannt auf weitere Berichte oder auch mal ein Foto :mrgreen:

Re: Mein Max

02.03.2015, 11:49

Danke für das nette Willkommen
...also
Das mit der Heulage beruhigt. An Heu ranzukommen ist hier echt schwer und dazu teuer. Und dann müsste ich gleich vier auf einmal umstellen (Offenstall)
Diabetes wurde gleich mit getestet. Hat er nicht, sagt meine TA. Aber wie gesagt - ich muss eh Ablage machen, dann fällt mir auch der / die Bluttests wieder in die Hände.
Nachkontrolle will ich nächsten Monat machen. Da muss sie kommen, um meinem Andi zu röntgen und Max die Zähne zu machen. Dann kann sie ihn auch gleich nochmal anpieksen.
Und zu meinem verstorbenen Pferd --- was auch heute noch - nach neun Jahren weh tut --- da war alles so schnell und seltsam, dass wir alle vor einem großen Rätsel standen. Wie so oft kam auch viel zusammen. U.a. wurde er in der Zeit auch von seinem langjährigen Boxenfreund getrennt und hat schwer darunter gelitten. Der Verdacht auf psychosomatische Rehe (wie etwas Renn- oder Turnierpferde sie oft haben) lag sehr nahe. Und abgesehen von dem schlechten Felllwechsel war er bis dahin sehr munter. Sein Tod war wie ein Schlag ins Gesicht, ich glaub an die 15 oder 20 Leute standen um ihn herum, als er niederlegt wurde. Und der blöde Kerl hat so gekämpft und hat noch 3x versucht auf die Beine zu kommen. So war er halt... und leider geht nicht jedes Einschläfern problemlos vonstatten.
Das einzige, was ich mir bei ihm vorwerfe - ihn nicht ein oder zwei Tage früher erlöst zu haben... aber den Entschluss zu fassen, fiel so schwer (ich hatte ihn 18 Jahre).

Re: Mein Max

02.03.2015, 11:57

:tröst: Das glaube ich gerne das es heute noch schmerzt, ist ja auch kein PC der abgeraucht ist sondern ein Freund der vor einem gehen musste. Das tut immer weh und hinterlässt seine Spuren im Herzen und der Seele.

Ja den Laborzettel zu suchen ist gut denn Insulinwerte innerhalb der Referenz werden leider allzu oft als okay durchgewinkt vom TA ohne zu wissen das ein hoher innerhalb der Referenz befindlicher Wert schon Alarmstufe rot ist und die Aussage einer IR beinhalten kann.
Von daher sind Unterlagen selbst auch zur Hand zu haben nie verkehrt.

Sollte unter der Blutabnahme schon eine Sedation wegen zugleich angedachter Zahnbehandlung gemacht werden ist zu bedenken das diese mitunter den Glukosewert deutlich erhöht.
Das ist wie z.B. bei Domosedan zwar eine bekannte aber im Waschzettel nicht erwähnte Nebenwirkung das dies zu einer kurzzeitigen Hyperglykämie führt.

Toi Toi Toi für alles Weitere erstmal :mrgreen:
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